Der Blick eines Pioniers: Traumtour zu sich selbst

Der Blick eines Pioniers: Traumtour zu sich selbst

Robby Clemens bilanziert seinen Lauf um die Welt

— ein Gastbeitrag von Michael Müller

Im April 2015 will sich Robby Clemens (52) vom Nord- zum Südpol aufmachen. Zu Fuß, teilweise auch auf Ski. Rund 25.000 Kilometer in zwei Jahren. Das wären bei einer Sechstagewoche fast 40 Kilometer täglich, also etwa ein Marathon. Für den temperamentvollen Klempner aus Hohenmölsen in Sachsen-Anhalt, der in den 90ern an seinem Tiefpunkt (Pleite, Alkoholismus) angelangt das Laufen als Rettungsanker fand, wäre es das zweite große Abenteuer. 2007 umrundete er bei seinem Worldrun auf 13.000 Kilometern in 311 Tagen die Erde. Nun geht’s also von oben nach unten.
»Als er mir von dem Projekt erzählte, dachte ich, der hat ’ne Macke«, erinnert sich die Leipziger Sportpsychologin Tanja Schuck. Sie gehört inzwischen zum weit verzweigten Netzwerk, das Clemens’ nächste Tour vorbereitet und begleiten wird. »Aber als er mir mit diesem Funkeln in den Augen von seinem ersten Weltlauf erzählte, hat er mich überzeugt, dass auch der zweite erfolgreich werden kann«, sagt die einstige Spitzenkanutin.

Dieses Funkeln kennen längst Zehntausende Zuhörer seiner Motivationsseminare. Mit denen ist der zweifache Ehrenkapitän der nd-Rennsteiglauf-Mannschaft seit Jahren unterwegs. Nun hat er das, was er sonst so fulminant erzählt und zeigt, zwischen zwei Buchdeckel gepresst. »Ich lauf dann mal los – zu Fuß um die Welt« lautet der Titel des Werks. Zum einen ist es ein fein beobachteter, origineller Bericht über des Autors strapaziöse Weltreise auf Schusters Rappen (30 Paar Schuhe hat er durchgewetzt!) und über Begegnungen mit vielen meist einfachen Menschen in 30 Ländern auf vier Kontinenten. Über ihr Leid und ihre Freuden, ihr Leben und ihre Landschaften. Zum anderen ist das Buch eine nachvollziehbare, ganz persönliche Reflexion über das Erlebte. Auch darüber, wie es zu diesem Erleben kam, und wie es den Erlebenden prägte. Dem Welt-Rekordläufer geht es nicht um Rekorde; Clemens bestaunt Hochleistungssport zwar, jedoch dessen Profi(t)orientierung ist seine Sache nicht. So konnte er sich die erfrischend naive Sicht auf die Welt und das eigene Ich bewahren. Den Blick eines Pioniers.

Die Botschaften von Clemens, für den sein erster Worldrun die »Traumtour zu sich selbst« war, sind einfach, aber nicht simpel: Jeder kann sich seinen Traum erfüllen; wer nicht mehr träumt, hört auf zu leben. Es gibt kein besseres Mittel gegen Vorurteile, als sich in der Welt umzusehen. Und die wichtigsten, berührenden Momente des Lebens sollte man in sich wie in einer Schatztruhe aufbewahren – und sie öffnen, wenn man vor schier unlösbaren Problemen steht. Diese Thesen kommen immer als beiläufiges, unaufdringliches Fazit daher. Teilnehmer seiner Vorträge sind meist zwischen herzhaftem Lachen und Weinen hin- und hergerissen. Den Lesern wird es ähnlich ergehen.

Robby Clemens: »Ich lauf dann mal los – zu Fuß um die Welt«. Salier Verlag Leipzig. 192 Seiten, brosch., 14,90 €.

Das Buch „Ich lauf dann mal los – Zu Fuß um die Welt“ können Sie online beim Salier Verlag, Amazon oder direkt im Buchhandel erwerben.

 

Erschienen ist der Artikel ursprünglich am 14. August 2014 auf http://www.neues-deutschland.de

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